Die Schriftenhändlerin: Historischer Roman - Brossura

Vantrease, Brenda

 
9783442373772: Die Schriftenhändlerin: Historischer Roman

Sinossi

Liebe und Verrat liegen gefährlich nah beieinander!

Anna und ihr Großvater Finn fertigen in Prag Übersetzungen lateinischer Kirchenschriften an. Gotteslästerung! Die Schlinge der Inquisition zieht sich immer enger zu, und Anna muss fliehen. In Reims verbringt sie den Winter und verdingt sich als Schriftenhändlerin. Sie ahnt nicht, dass der junge Mann, in den sie sich verliebt, ein Spitzel ist – und Priester …

Ein großer historischer Roman mit einer dramatischen Liebesgeschichte.

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Informazioni sull?autore

Brenda Vantrease promovierte an der Middle Tennessee State University in englischer Literatur. Sie arbeitete viele Jahre als Englischlehrerin und Bibliothekarin. Doch ihre wahre Leidenschaft galt der englischen Geschichte und Literatur. Ausgiebig bereiste sie Großbritannien und Irland. Sie schrieb zahlreiche Essays. Die englische Ketzerin ist nach Der Illuminator und Die Schriftenhändlerin ihr dritter großer historischer Roman. Brenda Vantrease lebt in Nashville, Tennessee.

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PRAG, BÖHMEN 1410

Hus stand an einem offenen Fenster hoch oben im linken Turm der Teyn-Kirche, um sich von dort aus die Verbrennung anzusehen. Diese Kirche gab ihm Mut. Es war eine Hussitenkirche, eine böhmische Kirche, die nicht mit Geld aus Rom erbaut, sondern vom böhmischen Volk errichtet worden war. Aber selbst hier, an diesem geheiligten Ort, spürte er ein ungutes Gefühl in seinem Magen, als er die Szene beobachtete, die sich unter ihm auf dem Marktplatz abspielte. Diese öffentliche Verbrennung war nichts anderes als Erzbischof Zybneks Kriegserklärung.
Heute waren es nur die Bücher, nur heilige Worte, die man den Flammen übergab, und nicht die Menschen, die sie kopiert hatten. Was hier brannte, war kein Fleisch. Aber dies sollte nur das Vorspiel zu einem weit größeren Drama sein.
Hus war sich dessen so sicher, wie er wusste, dass die Kirche, die ihn exkommuniziert hatte, durch und durch verdorben war. Sie hatte, so wie ein Fisch, vom Kopf her zu stinken begonnen. Das Papsttum predigte Lügen und ging mit falscher Erlösung hausieren, nur um seine Machtgelüste zu finanzieren. John Wycliffe war der Erste gewesen, der auf die Missstände im Klerus hingewiesen hatte. Er war es auch gewesen, der als Erster die Bibel in die Sprache des Volkes übersetzt hatte, damit die Menschen erfuhren, dass die "Wahrheiten", die die Mönche ihnen predigten, nichts als Lügen waren, Lügen, die nur ihnen selbst nutzten und nicht zu Christus führten, so wie sie behaupteten. Jan Hus war entschlossen, die Bewegung, die Wycliffe in England ins Leben gerufen hatte, in Böhmen weiterzuführen.
Warum aber stand er dann nicht unten auf dem Marktplatz, um der Verbrennung der Bücher Einhalt zu gebieten? Er, der es wagte, sich der Heiligen Mutter Kirche zu widersetzen und den Gläubigen bei der Feier der heiligen Messe nicht nur Brot, sondern auch Wein reichte? Er, der jeden Sonntag von seiner Kanzel in der Bethlehem-Kapelle herab flammende Reden gegen die falschen Lehren gelehrter Mönche und römischer Prälaten hielt? War er zu feige, um eine Brigade von "ketzerischen" Lollarden um sich zu versammeln und ein wenig Wasser in die Flammen des Erzbischofs zu gießen?
Sie werden dich noch früh genug kriegen, Hus, argumentierte die Vernunft. Sei also nicht zu stürmisch. Das dort unten ist nur Papier, nur Tinte und Pergament. Bücher kann man ersetzen, nicht aber die Hände, die sie kopiert haben. Und je mehr Bücher der Erzbischof verbrennen lässt, desto mehr werden diese Hände kopieren, so lange, bis auch in der bescheidensten Hütte des Heiligen Römischen Reiches ein Evangelium in der Landessprache zu finden ist.
Trotz alledem sah er sich jetzt selbst auf diesem Scheiterhaufen stehen, als er in die Dämmerung über Prag hinausblickte. Er begann zu schwitzen, denn er hatte das Gefühl, als stünde er inmitten der brennenden Reisigbündel und als würden die Flammen bereits mit gierigen Zungen am Saum seines Pfarrermantels lecken. Er konnte den Gestank seiner versengten Haare riechen, spürte die Brandblasen auf seiner Haut. Die Galle stieg ihm im Hals hoch. Er schloss das Fenster und wandte das Gesicht ab, um der imaginären Hitze zu entgehen, die die Luft versengte und auf seinem Gesicht, in seinen Augen, in seiner Kehle und tief in seiner Brust brannte.
Herr, gib mir Mut für diesen Tag.
Er betete sein Gethsemane-Gebet auf Böhmisch, nicht auf Latein, und hegte dabei die Hoffnung, dass der Kelch zumindest an diesem Tag noch einmal an ihm vorübergehen würde. Schließlich gab es für ihn noch so viel zu tun.
Wie schlau der Erzbischof diese Stelle in der Stare Mesto, der Altstadt, gewählt hatte. Der Rauch des Scheiterhaufens würde auf dem gesamten Weg bis hin zur Bethlehem-Kapelle wahrzunehmen sein, dort, wo Hus jeden Sonntag das predigte, was der Engländer John Wycliffe gelehrt hatte.
Er sah wieder auf den Platz hinunter, wo gerade Erzbischof Zybnek wie ein Pfau herumstolzierte. Sein Brokatgewand, sein goldenes Pektorale, seine weiße Bischofsmitra, gespalten wie die Zunge einer Schlange, glitzerten im Feuerschein. Bei jedem Pergament, das er auf den Scheiterhaufen warf, zischten die Flammen, und es stoben unzählige orangefarbene Funken in den dämmerigen Himmel. Die Menge schrie protestierend auf. So viel Arbeit, eine solche Pracht, so viele fromme Gedanken, die da einfach ins Feuer geworfen wurden.
Zybnek hob seinen Bischofsstab, um den Kirchturm triumphierend zu grüßen, so als wüsste er, dass sein erbittertster Gegner ihm von dort oben durch eines der dunklen Fenster zusah.
Hus, nimm dich in Acht, sonst bist du der Nächste, der in meinem Feuer brennt. Deine dünne, bleiche Haut wird nicht so angenehm riechen wie das Kalbsleder hier. Dies war die unausgesprochene Warnung, die in Feuer und Rauch geschrieben stand.
Hus trat einen Schritt vom Fenster zurück. Aber das Feuer der Entschlossenheit in seinem Innern brannte ebenso heiß wie die gelben Flammen, die die Bücher verzehrten. Unter dem Schutz von König Wenzel würde sich die Bewegung trotz des Hasses des Erzbischofs nicht unterdrücken lassen. Während diese Bücher brannten, war ein Heer von Kopisten bereits dabei, Ersatz für sie zu schaffen. Auch am kommenden Sonntag würde Hus in der Bethlehem-Kapelle predigen und den Menschen die Wahrheit verkünden. Er würde keine trockene lateinische Homilie halten, die sie nicht verstanden, sondern zu ihnen in ihrer böhmischen Muttersprache predigen, und in der Teyn-Kirche würde ein jeder die Messe feiern, indem er auch das symbolische Blut Christi aus dem Kelch trank.
Das Bild, wie er auf dem Platz auf dem Scheiterhaufen stand, verfolgte Hus jedoch bis in seine Träume. Und so sollte Johannes Hus noch in vielen Nächten durch den imaginären Geruch von versengten Haaren geweckt werden, bis dann schließlich der Tag kommen sollte, an dem dieser Geruch keine Einbildung mehr war.

PRAG, BÖHMEN JULI 1412

Der Avon in den Severn fließt, Der Servern fließt ins Meer, Und Wycliffes Staub verweht der Wind Übers Wasser kreuz und quer.
AUS EINER REDE VON DANIEL WEBSTER, 1849

Anna ging niemals zur Hrad hinauf, der prächtigen, von einer hohen Mauer umgebenen Burg, die auf einem Hügel auf der anderen Seite der Moldau stand und von dort oben aus auf Prag herabsah. Die Burg war für sie Welten entfernt.

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9783734107542: Die Schriftenhändlerin: Historischer Roman

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ISBN 10:  3734107547 ISBN 13:  9783734107542
Casa editrice: Blanvalet Taschenbuch Verlag, 2019
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