Es ist das Jahr 29 nach Christus. Eine geheimnisvolle Schöne, ein römischer Offizier, ein nubischer Fürstensohn, ein indischer Schankwirt: Sie alle ziehen in der Karawane des Händlers Demetrios von Adane an der südarabischen Weihrauchküste in Richtung Mittelmeer. Doch was ist der wahre Zweck ihrer Reise? Alle scheinen insgeheim ganz eigene Pläne und Ziele zu verfolgen. Als zwei der Mitreisenden tot aufgefunden werden, ist dies nur der Anfang einer Kette von Verrat, Überfällen und Intrigen…
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Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges zuständig. Zu eigenem schriftstellerischen Erfolg gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Werke »Hannibal«, »Alexander« und »Troja«. Mit »Raja« hat Gisbert Haefs ein grandioses Werk vorgelegt, das einmal mehr seinen Ruf als Meister des historischen Romans bestätigt. Zuletzt erschien von ihm »Caesar«.
Duftende Salbe, das Gefühl kühler Seide auf gekühlter Haut, und die Gewißheit, sich beides nicht mehr lange leisten zu können. Der Vorrat an Goldmünzen war beinahe aufgebraucht. Aber in das Bedauern mischte sich die Überzeugung, Gold, Salbe und Seide wieder beschaffen zu können. Solange die Haut und der Körper nicht verfielen. Nach dem ersten Mann, mit 13, hatte sie befürchtet, mit 20 werde sie so verbraucht und mit 25 so runzlig sein wie die Frauen aus den Bauerndörfern. Nun war sie 26, die Befürchtungen hatten sich verflüchtigt, und im Augenblick bedauerte sie nur, daß es hier kein richtiges Bad gab. Ein römisches Bad, mit Becken für heißes, laues und kaltes Wasser, und mit Badesklaven, die reiben und striegeln, und üppige Mengen Salbe... »Ist es recht so, Herrin?« Kleopatra ließ die mit glänzendem Silber belegte Bronzescheibe sinken. Der aufgetürmte Schopf erinnerte ein wenig an eine Pyramide - eine schlanke dunkle Pyramide, mit den edelsteinbesetzten Spangen als Leitern. Aber Pyramiden hatten gewöhnlich eine Oberfläche aus Stufen; wer brauchte da Leitern? Und wer, außer arabischen Läusen, sollte ihren aufgetürmten Schopf erklimmen wollen? »Es ist gut. Du kannst gehen.« Glauke neigte den Kopf. Geräuschlos glitt sie von dem breiten Schemel, auf dem sie gekniet hatte, und ging zur Tür. Vor dem schweren Ledervorhang, der Kleopatras Raum von dem ihrer drei Begleiterinnen trennte, blieb sie stehen und wandte sich um. »Hast du Wünsche, Fürstin, oder kann ich eine Weile an den Hafen gehen?« »Thais wird gleich hier sein. Wenn ich dich brauche, wird sie dich holen. Geh nur.« Nicht, daß sie verstünde, was Glauke zum Hafen zog. Kleopatra mißtraute dem Meer. Gleich welchem. Roms Meer im Norden, das Rote Meer, das sie überquert hatten, oder dieser Teil des großen Meeres, das zwischen Arabien und Indien lag - drei Ansichten des gleichen Ungeheuers. Es fraß Schiffe und Männer und Geld; wogen eßbare Fische, Muscheln und Krebse das auf? Vielleicht der Handel... Aber es war nicht die Zeit, sich solch sinnlosen Gedanken hinzugeben. Sie erhob sich aus dem beschnitzten Scherensessel und ging zum Fenster. Nicht ganz; nur so weit, daß sie im Schatten stehend, von außen unsichtbar, selbst alles sehen konnte, was auf dem Platz geschah. Nicht viel, dachte sie. Mit Bedacht hatte sie diese Zeit gewählt, den frühen Nachmittag, da die meisten Leute des Orts sich in den Häusern aufhielten. Der Römer würde bemerkt werden, aber nicht von vielen. Man würde darüber reden - tuscheln, und Getuschel konnte Unwichtiges bedeutend machen. Thais würde nicht gleich hier sein. Glauke war am Hafen, Arsinoë bei der Gattin des Handelsherrn Baschama, der die wenigsten Vorbehalte gegen Fremde zu haben schien. Thais hatte den Auftrag, sich bei den Frauen der Fischer und Seeleute an der langen nördlichen Bucht umzuhören, ob jemand etwas über Boote wußte, die ins Rote Meer fahren könnten, nach Norden. »Aber da kommen wir doch her«, hatte Thais gesagt. »Was nicht heißt, daß wir ewig hier bleiben müssen, oder?« Kleopatra preßte die Lippen aufeinander. Thais und Arsinoë wußten, daß sie weggeschickt worden waren, und sie würden sich wie angewiesen bemühen, früh und überraschend genug zurückzukommen, um zu sehen. Glauke, am Hafen, würde den Römer ohnehin sehen, wenn er das Gasthaus betrat. Ihrem Gesicht war deutlich zu entnehmen gewesen, daß sie sich fragte, für wen die Fürstin mitten am Tag ihre Haare gelegt, gerollt, getürmt haben wollte. »Für mich«, murmelte sie. »Für wen denn sonst?« Dort kam der Römer. Vor dem Haus der Händler - ah nein, vor dem Tempel des Regengottes blieb er stehen und betrachtete die Rückseite des Gasthauses. Sie war sicher, daß er sie hier oben nicht sehen konnte; dennoch trat sie einen Schritt zurück. Im Geiste ging sie noch einmal alles durch. Was sie wollte; was sie ihm sagen würde; was sie verschweigen mußte; was sie sich scheinbar widerstrebend würde entlocken lassen... ›Männer sind so leicht zu foppen‹, sagte sie sich. Aber sie durfte nicht den Fehler machen, diesen Valerius Rufus zu unterschätzen. Er mochte einer Nebenlinie angehören, aber die Valerii waren alt und reich und wichtig. Rufus schien gebildet zu sein, hatte Witz, und kein Präfekt des Reichs schickte einen Trottel an eine so wichtige, wiewohl abgelegene Stelle, wo er mit drei Dutzend Kriegern die Anliegen des Imperiums fördern oder verderben konnte. Kein Trottel; und gewiß kein einfacher Centurio. Es klopfte an der Holztür, die den vorderen Raum von der düsteren Treppe trennte. Kleopatra schob den Ledervorhang beiseite und rief: »Wer ist da?« Die Tür wurde halb geöffnet; der Kopf des Wirts erschien. »Herrin - ein Römer will dich sprechen.« Kleopatra verbiß sich das Lachen. Der Besitzer des Gasthauses klang beinahe unterwürfig; wie er »Römer« gesagt hatte, hätte er auch »Seeungeheuer« sagen können; außerdem war der Anblick des mit gelbem Tuch umwickelten Kopfs, der in der Türöffnung zu schweben schien, seltsam genug, auch ohne die Hand, die aus dem dunklen Nichts der Treppe kam und im Bart wühlte. »Zeig ihm den Weg - sei so gut«, sagte sie. Dabei dachte sie an ihre Ankunft, vor einem Mond; damals war der Wirt keineswegs unterwürfig gewesen. Er hatte auf die Vorzüge seines Hauses verwiesen, auf das ehrwürdige Alter, auf die Beliebtheit bei weitgereisten Händlern - all dies zweifellos Vorspiel zur Verkündung hoher Preise. Sie hatte eine Goldmünze hochgehalten - einen römischen Aureus - und gesagt, diesen werde sie lieber woanders ausgeben. Ein Haus, das zweihundert Jahre alt sei, könne jederzeit einstürzen, und sie wolle Ruhe, nicht die Gesellschaft zahlloser Inder, Perser und Araber. Das Haus sei durchaus standfest und werde nicht in den Hafen rutschen, hatte er darauf behauptet, und weitgereiste lärmende Gäste gebe es zur Zeit kaum. »Dann«, hatte Kleopatra gesagt, »wirst du dich hoffentlich freuen, wenigstens uns zu sehen und uns zwei Räume zu überlassen, für einen Mond, gegen diese Münze.« Nach einigem Gezeter einigten sie sich auf einen Aureus für elf Tage. ›Männer sind so leicht zu foppen‹, sagte sie sich noch einmal, und sie erinnerte sich mit Vergnügen an das grimmige Gesicht der Frau des Wirts, während sie schon die kräftigen Schritte des Römers im Treppenhaus hörte. »Rom zu Füßen der edlen Herrin«, sagte er, als er eintrat. Statt eines Fußfalls deutete er jedoch lediglich eine Neigung des Kopfs an; eher ein Nicken. »Rom darf sich aus dieser unbequemen Haltung erheben.« Sie wandte sich ab und ging ins andere Zimmer zurück. Rufus folgte; als er sich dem Scherensessel näherte, in dem sie wieder Platz genommen hatte, sah sie die schnellen Blicke, mit denen er die bunten Wandbehänge, die schweren dunklen Bohlen, die Truhen aus schwarzem Holz musterte. Und das Bett. Auf dem lederbespannten Gestell lagen Decken und Felle; sie lagen nicht sehr ordentlich, weil Kleopatra sie absichtlich zerwühlt hatte. »Du kannst dich hierhin setzen.« Mit dem Fuß wies sie auf einen Schemel. »Oder dorthin« - mit dem Kinn deutete sie auf einen zweiten - »oder auf das Bett.« Rufus lächelte. »Der Krieger, dem eine Fürstin ihr Bett anbietet, sollte den Helm fester schnallen und den Schwertgriff in die Hand nehmen.« Ohne sie aus den Augen zu lassen, zog er mit dem rechten Fuß einen der Schemel heran und setzte sich. »Meine Begleiterinnen sind nicht da, deshalb kann ich dir nichts zu trinken bieten.« »Ich bin gekommen, mich an deinen Worten zu laben.« Er stützte die Ellenbogen auf die Oberschenkel und bettete das Kinn auf die verschränkten Finger. »Weshalb hast du mich hergebeten?« »Zwei Untertanen des Augustus Tiberius, am Ende der Welt gewissermaßen, sollten sich vielleicht verständigen.« »Verständigen?« Diesmal war Rufus' Lächeln schräg. Fast zweideutig. »Wie Edle in der Fremde? Wie Diebe in der Nacht?« »Sagen wir, wie Edle, die von Räubern zu unterscheiden möglicherweise nicht ganz einfach ist.« Er schwieg ein paar Atemzüge lang. »Worauf läuft das hinaus?« sagte er dann. »Haben wir gemeinsame Ziele?« Kleopatra unterdrückte jede Regung, die sich auf ihrem Gesicht hätte zeigen können. Triumph, zum Beispiel, weil sie schneller als erwartet - und leichter als erhofft - an diese Stelle gelangt war. Sie senkte den Blick. »Kann ich mich dir ausliefern?« Sie fand ihre Stimme überzeugend: ein wenig verzagt, dennoch nicht demütig. Die Fürstin, die Hilfe sucht, aber nicht darum bittet. »Versuch es«, sagte Rufus. »Ich kann dir nichts versprechen, außer, in gewisser Menge, Ehrlichkeit.« »Ehrlichkeit und Redlichkeit, Tugenden eines römischen Kriegers?« »Jemand hat einmal gesagt, Tugend ist nichts, was hemmt, sondern fördert. Fühl dich also gefördert.« Sie tat, als ob sie zögerte; dann holte sie Luft und gab sich einen sichtbaren Ruck. »Nun denn. Ich brauche Hilfe, für die ich vielleicht erst zahlen kann, wenn sie mir geholfen hat, das Ziel zu erreichen.« Rufus lehnte sich ein wenig zurück und verschränkte die Arme. Sie wartete; als er nichts sagte, sprach sie weiter. »Es gibt etwas, das mir genommen wurde. Ich will es wiederbeschaffen; danach werde ich jede Hilfe belohnen können, die ich erhalten habe, und nie wieder neue Hilfe benötigen.« »Wir sind nicht hergeschickt worden, um verlorene Gegenstände zu suchen«, sagte Rufus. »Wir schützen den Frieden des Imperiums. Und den Handel.« »Ich weiß. Aber als ich neulich in eurem Lager war, habe ich etwas gehört. Etwas, das mich auf gemeinsame Ziele hoffen läßt.« »Und zwar?« »Daß ihr Adane verlassen und nach Norden gehen werdet.« »Ah.« Rufus verzog das Gesicht. »Hat da wieder jemand nicht den Mund halten können?« »Sei ihm nicht böse. Und mir auch nicht.« Kleopatra lächelte. »Du weißt, wie schwer es einsamen Kriegern fällt, schönen Frauen gegenüber zu schweigen.« »Hat also jemand einer deiner Begleiterinnen etwas gesagt? Du warst ja die ganze Zeit mit mir zusammen.« »Was sich verlängern und ausschmücken ließe.« Eigentlich hatte sie an dieser Stelle den gewaltigen Augenaufschlag vorgesehen, den Großen Blick; sie sagt...
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