Mit 47 Jahren hält Randy Pausch, Informatikprofessor an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, am 18. September 2007 seine Abschiedsvorlesung. Das Thema: Seine Kindheitsträume und wie er sie verwirklicht hat. Der Anlass: Pausch ist an Krebs erkrankt und hat nur noch wenige Monate zu leben. An diesem Tag lauschen einige hundert Zuhörer gebannt seinen Worten, kurze Zeit später kennen Millionen Menschen auf der ganzen Welt ihn und seine bewegende Rede. Das vorliegende Buch, für das die „Last Lecture“ und ihre gewaltige Medienresonanz den Anstoß gegeben hat, ist in langen Gesprächen mit dem Journalisten Jeffrey Zaslow entstanden. Die Lebenseinsichten Randy Pauschs sind in ihm mit seiner persönlichen Lebensgeschichte verwoben.
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Randy Pausch, Jahrgang 1960, promovierte 1988 in Informatik und lehrte an der Universität von Virginia, wo ihm ein Jahr früher als üblich eine Professur angeboten wurde. Seit 1997 unterrichtete er an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Im September 2006 wurde bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Er unterzog sich einer Chemotherapie, die allerdings erfolglos blieb. Randy Pausch verstarb im Juli 2008.
Jeffrey Zaslow, Journalist und Kolumnist beim Wall Street Journal, war bereits Co-Autor des Weltbestsellers »Last Lecture« von Randy Pausch.
Einführung
Ich habe eine Funktionsstörung.
Obwohl ich im großen Ganzen in bester physischer Verfassung bin, habe ich zehn Tumore in meiner Leber und nur noch wenige Monate zu leben.
Ich bin Vater von drei kleinen Kindern und mit der Frau meiner Träume verheiratet. Ich könnte mir leidtun, aber das würde weder ihnen noch mir gut bekommen.
Wie soll ich meine drastisch verkürzte Lebenszeit also verbringen?
Dass ich bei meiner Familie bin und mich um sie kümmere, liegt auf der Hand. Solange ich es kann, werde ich mich an jeden Moment mit ihnen klammern und all die notwendigen logistischen Dinge tun, die ihren Weg in ein Leben ohne mich erleichtern können.
Weniger auf der Hand liegt, wie ich meinen Kindern beibringen kann, was ich ihnen im Laufe der nächsten zwanzig Jahre beigebracht hätte. Im Moment sind sie noch zu klein, um richtige Gespräche führen zu können. Eltern wollen ihren Kindern nicht nur den Unterschied zwischen Recht und Unrecht beibringen, sie wollen sie auch auf die Herausforderungen des Lebens vorbereiten. Und das tun sie oft, indem sie ihren Kindern Geschichten aus dem eigenen Leben erzählen, in der Hoffnung, ihnen damit zu helfen, ihr Leben leben zu lernen. Auch ich habe diese Hoffnung. Sie war es, die mich veranlasste, eine »Last Lecture« an der Carnegie Mellon University zu halten.
Die Universität zeichnet solche Vorlesungen auf Video auf, deshalb war mir sofort klar, was mir dabei gelingen musste — nämlich mich sozusagen unter dem Vorwand einer akademischen Veranstaltung in eine Flasche zu zwängen, die eines Tages meinen Kindern am Strand vor die Füße gespült würde. Wäre ich ein Maler, hätte ich ihnen ein Selbstporträt gemalt. Wäre ich ein Musiker, hätte ich ihnen etwas komponiert. Aber ich bin Dozent. Also dozierte ich.
Ich sprach über die Freuden des Lebens, erzählte, wie sehr ich das Leben schätze, selbst jetzt, da nur noch so wenig von meinem eigenen übrig ist. Ich sprach von Aufrichtigkeit, Integrität, Dankbarkeit und all den anderen Dingen, die mir lieb und teuer sind. Und ich gab mir alle Mühe, dabei niemanden zu langweilen.
Dieses Buch gibt mir die Möglichkeit, das fortzusetzen, was ich am Rednerpult im Hörsaal begann. Weil Zeit kostbar ist und ich so viel wie nur möglich davon mit meinen Kindern verbringen möchte, bat ich Jeffrey Zaslow um Hilfe. Ich radle ohnedies täglich in meiner Nachbarschaft herum, um mich so fit wie möglich zu halten. Also sprach ich während dreiundfünfzig langer Radtouren über das Headset meines Handys mit Jeff — man könnte das wohl meine dreiundfünfzig Lectures nennen —, und er verbrachte dann unzählige Stunden damit, um aus diesen Erzählungen das vorliegende Buch zu machen.
Wir wussten von Anfang an: Nichts davon kann einen lebenden Elternteil ersetzen. Doch wenn man etwas konstruieren will, dann geht es nicht um perfekte Lösungen. Es geht darum, das Bestmögliche aus den begrenzten Ressourcen zu machen. Das versuchte ich mit meiner »Last Lecture« und diesem Buch.
»LAST LECTURE«
Ein verletzter Löwe will noch brüllen
Viele Professoren halten eine »Last Lecture«. Vielleicht habt ihr auch schon bei einer dieser typisch amerikanischen Uni-Veranstaltungen im Auditorium gesessen:
Professoren werden gebeten, über das zu reden, was ihnen am wichtigsten ist, so, als wäre es die letzte Vorlesung ihres Lebens. Und die Zuhörer fragen sich automatisch, welche Lebensweisheiten sie selbst der Welt vermitteln würden, wenn sie ein letztes Mal die Chance dazu hätten. Was würden wir gerne als unser Vermächtnis hinterlassen, wenn wir morgen vom Erdboden verschwänden?
An der Carnegie Mellon University gab es jahrelang eine Last Lecture Series, doch bis die Veranstalter schließlich fanden, dass nun ich an der Reihe sei, war diese Vorlesungsreihe umbenannt worden. Nun lief sie unter dem Titel Journeys: Den ausgewählten Professoren wurde vorgegeben, »Reflexionen über ihre persönliche und berufliche Reise« anzubieten. Das war nicht gerade eine aufregende Definition, aber ich erklärte mich einverstanden. Man trug mich für den Veranstaltungstermin im September ein.
Zu dieser Zeit war mein Pankreaskrebs bereits diagnostiziert worden, aber ich war optimistisch. Vielleicht würde ich ja zu den Glücklichen zählen, die ihn überlebten.
Während ich die Behandlungen über mich ergehen ließ, bombardierten mich die Veranstalter mit E-Mails. »Worüber wirst du reden?«, fragten sie. »Maile uns bitte eine kurze Zusammenfassung.« Es gibt Formalien im akademischen Leben, die man nicht einfach ignorieren kann, selbst wenn man gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist und beispielsweise versucht, nicht zu sterben. Mitte August wurde mir mitgeteilt, dass das Plakat für die Vorlesung gedruckt werden solle und ich mich endlich für ein Thema entscheiden müsse.
In genau dieser Woche erhielt ich die Nachricht, dass die letzte Behandlung nicht angeschlagen hatte und ich nur noch ein paar Monate leben würde.
Ich wusste, dass ich die Vorlesung jederzeit absagen konnte. Alle hätten das verstanden. Plötzlich gab es so viel Wichtigeres zu tun. Ich musste mit meinem eigenen Kummer und mit der Trauer all derer klarkommen, die mich liebten. Ich musste mich mit aller Kraft ins Zeug werfen, um die Angelegenheiten meiner Familie in Ordnung bringen. Trotzdem konnte ich den Gedanken an diese Vorlesung nicht abschütteln. Ich war wie besessen von der Idee, eine Last Lecture zu halten, die wirklich eine letzte sein würde. Aber was sollte ich sagen? Wie würde man es aufnehmen? Würde ich es überhaupt durchstehen können?
»Sie würden es akzeptieren, wenn ich einen Rückzieher mache«, erklärte ich meiner Frau Jai, »aber ich will es wirklich tun.«
Jai war von jeher mein Cheerleader. Wenn ich mich für etwas begeisterte, tat sie es auch. Doch die Idee von einer letzten Vorlesung kam nicht gut bei ihr an. Gerade erst waren wir von Pittsburgh ins südöstliche Virginia gezogen, damit Jai und die Kinder nach meinem Tod in der
Nähe ihrer Familie sein könnten. Jai fand, dass ich meine kostbare Zeit lieber mit unseren Kindern verbringen sollte oder damit, die Kisten in unserem neuen Haus auszupacken, als Stunden für die Vorbereitung einer Vorlesung zu verschwenden und dann nach Pittsburgh zurückzureisen, um sie zu halten.
»Nenne mich meinetwegen egoistisch«, sagte Jai, »aber ich will dich ganz. Die Zeit, die du mit der Ausarbeitung des Vortrags verbringst, ist verlorene Zeit, denn sie wird dich ständig von den Kindern und mir fernhalten.«
Ich verstand ihre Vorbehalte. Als ich krank wurde, hatte ich mir geschworen, auf Jai einzugehen und ihre Wünsche zu berücksichtigen. Ich empfand es geradezu als meine Mission, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um ihr Leben von den Bürden zu entlasten, die ihr durch meine Krankheit auferlegt wurden. Deshalb verbrachte ich viele Stunden zwischen Schlafen und Wachen damit, Arrangements für die Zukunft meiner Familie zu treffen, die ohne mich stattfinden wird. Trotzdem kam ich nicht gegen den Drang an, diese letzte Vorlesung zu halten.
Im Laufe meiner akademischen Karriere hielt ich so manche ziemlich gute Rede. Doch wenn man als der beste Redner eines Computer Science Department gilt, dann ist das, als hielten sie dich für den größten der sieben Zwerge. Diesmal hatte ich jedoch tatsächlich das Gefühl, dass mehr in mir steckt und ich den Menschen etwas Besonderes anbieten könnte, wenn ich alles gäbe. »Weisheit« ist ein großes Wort, aber vielleicht ist es das passende für diesen Moment der Erkenntnis.
Jai war noch immer unglücklich über meine Entscheidung. Schließlich beschlossen wir, die ganze Sache mit Michele Reiss zu besprechen, einer Psychotherapeutin, zu der wir seit ein paar Monaten gingen, weil sie sich darauf spezialisiert hatte, Paaren beizustehen, die mit der tödlichen Krankheit eines Partners konfrontiert sind.
»Ich kenne Randy«, sagte Jai zu Dr. Reiss. »Er ist ein Workaholic. Ich weiß, wie er sein wird, wenn er diese Vorlesung vorbereitet. Es wird ihn völlig in Anspruch nehmen.« Sie hielt diese Lecture für eine total unnötige Ablenkung von all den erdrückenden Fragen, mit denen wir uns herumschlagen mussten.
Jai war noch wegen etwas anderem aufgebracht. Wenn ich die Vorlesung am angesetzten Termin halten wollte, dann würde ich am Tag vorher nach Pittsburgh fliegen müssen, und das war Jais einundvierzigster Geburtstag. »Es ist mein letzter Geburtstag, den wir gemeinsam feiern können«, sagte sie zu mir. »Du willst mich tatsächlich an diesem Tag alleinlassen?«
Natürlich war es ein schmerzlicher Gedanke, diesen Geburtstag nicht mit Jai zu verbringen. Trotzdem ließ mich der Gedanke an die Vorlesung nicht los. Ich hatte begonnen, sie als den letzten Akt in meiner Karriere zu betrachten, als eine Möglichkeit, mich von meiner »Arbeitsfamilie« zu verabschieden. Außerdem ertappte ich mich bei der Vorstellung, dass sie das oratorische Äquivalent jenes letzten Balls sein würde, den der Schläger vor seinem Abschied vom Baseball ins Upper Deck schmettert. Die Schlussszene aus Der Unbeugsame, in der der alternde Spieler Roy Hobbs zur Überraschung aller diesen himmelhohen Homerun schlägt, hat mir schon immer gefallen.
Dr. Reiss hörte Jai und mir zu. In Jai, sagte sie, sehe sie eine starke, liebende Frau, die Jahrzehnte eines erfüllten Lebens mit einem Ehemann vor sich gesehen hatte, der mit ihr zusammen die Kinder aufzog. Nun musste unser gemeinsames Leben auf wenige Monate verdichtet werden. In mir sah Dr. Reiss einen Mann, der noch nicht bereit war, sich vollständig ins Privatleben zurückzuziehen, und ganz gewiss nicht bereit, sich auf sein Sterbebett zu legen. »Diese Vorlesung wird für viele Menschen, die mir etwas bedeuten, eine letzte Möglichkeit sein, mich noch einmal in Fleisch und Blut zu sehen«, erklärte ich rundheraus. »Und mir gibt sie nicht nur die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was mir am meisten bedeutet, sondern auch die Chance, noch einmal alles zu tun, was mir auf dem Weg au...
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Da: Antiquariat Armebooks, Frankfurt am Main, Germania
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